26-29 August - Mt. Monger Station - Outback? Outback!
Sonntag mittag noch schnell ein 6-pack Bier besorgt und zurueck nach East Perth. Diesmal allerdings nicht Bus fahren, sondern Zug. Prospector Train - die Verbindung zw. Perth und Kalgoorlie (knappe 600km), wenn man nicht im Bus ausharren will oder die Kohle fuer den Flug fehlt. Fuer 70AUD geht’s in 7 Stunden in die Goldgraeberstadt. Einchecken (das Gepaeck uebernimmt der Porter) - erster Eindruck: die Dinger fahren bei uns im Nahverkehr oder als S-Bahn - egal, Hauptsache ich komm’ an. Beim Einsteigen dann aber positive Ueberraschung - der Sitzabstand wuerde mancher Airline Businessclass gut zu Gesicht stehen! Bequem ist das Gestuehl auch, MP3-Player ist voll geladen, also los! In-Train-Entertainment gibt’s auch - zwei Filme waehrend der Reise, alternativ 5 Radiokanaele, Headphones am Platz - was macht eigentlich die Deutsche Bahn?
Gut erholt kam ich etwas verspaetet in Kalgoorlie an und wurde von Mark und Michael, zwei Hollaendern, eingesammelt, die ohnehin noch in der Stadt waren, um Bier zu kaufen. 50km, 45 Minuten, einige Geschichten, 1 Strassenbelagswechsel (von Asphalt zu nichts) und, nicht zu vergessen, 1 Fahrbier spaeter kam ich in Mt. Monger an. Alles ziemlich dunkel, also kurzes Hallo, wichtigste Raeumlichkeiten gezeigt bekommen und ab in mein Zimmer. Hier hat jeder sein eigenes, in Containern, Bett, Schrank, Strom, Heizstrahler - nicht uebel.
Um halb sieben raus, duschen, Fruehstueck (selber machen, aber es is alles da, was man nur brauchen koennte), Sonnencreme und auf zum Meeting mit Andrew, dem Farm Manager - Montag begleitete ich Dave (welch Zufall - Australier und seit 7 Jahren auf Farmen am arbeiten) beim “fencing”, will heissen, dass Zaeune kontrolliert, neu gezogen oder ausgebessert werden - eine Heidenarbeit und meine Finger sehen noch immer etwas massakriert aus. Merke: Drahenden sind relativ spitz und scharf. Mittags: Barbie - nix Puppen - Feuer, Hotplate, Bacon, Wuerstchen, Eier (fuer mich natuerlich nich) - nicht schlecht fuer ein Mittagessen im Nirgendwo. Feuer sorgfaeltig ausmachen (den trockenes Gestruepp fuer ein Buschfeuer gibt es hier genug) und weiter Pfaehle in den Sand rammen und mit Draht hantieren. Teile des Zauns haben bereits min. 50 Jahre auf dem Buckel und entsprechend viel war zu tun. Am Abend hatten wir nicht mal die Haelfte dessen, was zu tun gewesen waere erledigt.
Zurueck zur Station, duschen, Abendessen. Das muss man nicht mal selbst zubereiten - im Homestead, dem Wohnhaus der Besitzer, wird fuer alle gekocht - an diesem Montag Steaks, Wuerstchen, ein Berg Beilagen und Salat - perfekt! Film, Bier, Bett.
Am Tag darauf durfte ich Andrew hoechstpersoenlich begleiten - Tanks und Pumpen kontrollieren, aber erstmal gab’s eine Einweisung nebst Arbeitshandschuhen, Brille, zwei kleinen Buechlein und der Anweisung Dinge ja immer mit geradem Ruecken zu heben - da ist Andrew ein gebranntes Kind! Auf geht’s - ich fuhr und gleich die erste Pumpe versagte den Dienst, abgesoffen - nichts, was nicht mit einem Leatherman binnen 5 Minuten zu beheben waere, also weiter. Einige Traenken saeubern, ein paar Pumpen anwerfen, checken, ob die Tanks voll genug sind und irgendwann Mittagspause - diesmal allerdings “nur” mitgebrachte Sandwiches. Zur Auflockerung und um mir noch was beizubringen malte Andrew eine Zielscheibe auf einen gute 100m entfernten Baum und packt ein Jagdgewehr (fuer Dingos - sind hier nicht willkommen - aber sie hatten sich gut genug versteckt) aus. Schiessen? OK, ich mach’ was der Chef sagt. 8 Schuss - 1x Bullseye - fuer nen ersten Versuch wohl anstaendig - interessant ist es schon, aber eigentlich viel zu einfach!
Wenn man hier arbeiten moechte sollte man am besten handwerkliches Geschick mitbringen - ich war hier also keine Idealbesetzung, aber ja auch nur zwei Tage da ![]()
Der weitere Tag bestand aus noch mehr Pumpen, Tanks, Traenken, einem Hoellenritt des Chefs zu einer ausgefallenen Pumpe (ja Caroline, Australier fahren wie die Schweine *g*), weil die Sonne im untergehen begriffen war. Diesem Defekt verdanke ich einen grandiosen Sonnenuntergang.
Zurueck auf der Station begann gerade das naechste Tageshighlight. Nein, nicht das Abendessen! “Red Moon” - eine Mondfinsternis und das bei sternenklarem Himmer. Perfekt! Dumm, dass bei den Lichtverhaeltnissen die Bilder kein “Burner” wurden.
Dann gab’s Abendessen (zugegebenermassen auch ein Highlight) und ein nettes Gespraech mit Mark, den ich wahrscheinlich in Sydney wiedersehen werde. Bett - um 5 schon wieder aufstehen, Andrew brachte mich zum Zug, doch vorher noch schnell zum “Super Pit”, einer Goldmine und das “Super” ist nicht uebertrieben - das groesste von Menschen geschaffene Loch auf der Suedhalbkugel - beeindruckend und auf dem Bild ist nur ein kleiner Ausschnitt.
Noch schnell ein kleines Fruehstueck in die Hand und ab in den Prospector - alles wunderbar bis auf die Stunde Verspaetung dank einer Signalstoerung - wenigstens mal Rocky Balboa gesehen.
Die Rueckkehr nach Perth war ein Schock: Regen und nur 15 Grad - so warm war’s in Kalgoorlie beinahe nachts.
In einer Stunde werde ich von Margie abgeholt - sie betreibt mit ihrem Mann das Kondinin Hotel und Country Pub - eigentlich nehmen sie nur Maedels - muss ich mich wohl noch rasieren ![]()
Naechste Woche dann dazu mehr.
Ach ja - der Sonnenuntergang:


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