30 August - 04 September - Kondinin Hotel - Country Pub at its best
Fuer das eine Wochenende bin ich doch tatsaechlich auch ohne mich zu rasieren durchgekommen - Glueck gehabt ![]()
Donnerstag traf ich mich mit Margi im Buero von aussijobs. Kurz mit Anissa gequatscht und ab zum Parkhaus. Amuesanterweise beschwerte sich Margi ueber die engen Parkhaeuser… Nach meinem Wienerlebnis musste ich mir dann doch ein Lachen schwer verkneifen - die Ausfahrt war beinahe Bundesstrassen-breit, aber nun gut…
Erstmal noch zum shoppen in ein Einkaufszentrum am Stadtrand (alltaegliches gibt’s auch im oertlichen Supermarkt, aber die kleinen Extras, speziell fuer die Kids - insgesamt dann 250 AUD *g*) und auf nach Kondinin. Drei Stunden Autofahrt und einige Geschichten zum Country Pub spaeter waren wir dann auch schon da - Kondinin: knapp ueber 300 Einwohner, insgesamt um die 1500 im zugehoerigen Gebiet und nur ein Pub! Das ordinaere Country Pub darf man sich aber keinesfalls wie eine oertliche Kneipe bei uns vorstellen - in diesem Fall gibt es fuenf Hotelzimmer (drei Sterne), einen Restaurantbereich, den Pub-Teil und Bottle Shop ist das Kondinin Hotel auch noch - ueberfluessig zu erwaehnen, dass es der Treffpunkt schlechthin ist, egal was gerade zu feiern ist.
Rein und gleich mal Darren (Margis Angetrauter), Holly (begann mal als Backpackerin, gehoert aber inzw. zum Inventar) und Leonie (Backpacker) kennen gelernt. Mit den letzten beiden durfte ich mir die kommenden Tage ein Haeuschen teilen.
Eigenes Zimmer fuer jeden, keine Heizung, aber Kamin (wie immer), Wohnzimmer, Bad, Kueche - alles gut. Essen nimmt man sich aus dem Pub mit, bzw. gibt es das Dinner sowieso fertig zubereitet im Pub. Unterkunft und Essen muessen nicht extra gezahlt werden - dabei, sobald man zu arbeiten beginnt - just perfect.
Den Abend habe ich ueberaus entspannt und gaenzlich arbeitsfrei (mal vom abschliessenden Staubsaugen abgesehen) im Pub verbracht und die ueblichen Verdaechtigen (Stammgaeste) kennen gelernt, allen voran Sid und Captain (beide Farmer und die typischen “Geselligkeitsbier”-Gaeste) und Mitch (Sohn eines Farmers) - natuerlich noch einige mehr, aber fuer meinen Aufenthalt waren die drei am wichtigsten. Natuerlich durfte ich erstmal jedem einzeln erklaeren was ich eigentlich tue, weshalb nur fuer ein Wochenende, was ich sonst so mache, wo ich bereits war…
Freitag hiess es halbwegs frueh aufstehen, also gegen neun *g* Holly durfte fuer Leonie und mich den Tourguide spielen und uns mit Margis Wagen zum Wave Rock nach Hyden (50km) bringen - keine Ahnung wie oft sie das schon tun durfte, aber das erste mal war es mit Sicherheit nicht *g* Der Felsen ist schon sehenswert, aber einen eigenen Tagesausflug von Perth wuerde ich nicht antreten, denn da saesse man den ganzen Tag im Bus. Alternativ zum allgegenwaertigen Wave Rock ist auf dem Bild die “zweite” Sehenswuerdigkeit am Rock zu sehen “Hippos Yawn”.
Mittags dann der erste Arbeitseinsatz - Getraenke auffuellen, Muell entsorgen und was sonst noch so anfaellt, gelegentlich ein Bier zapfen, Bestellungen entgegennehmen - die drei Stunden Mittagsschicht gingen im Flug vorbei - um sechs dann zurueck im Pub. Abends ist natuerlich bedeutend mehr Betrieb als mittags und so ging’s ohne Ausreden gleich in den “in-fight” mit den Kunden. Unzaehlige “middies” (Glasgroesse fuer Bier) und eine Verabredung zum Schafe scheren beim Captain spaeter gingen dann auch die letzten um viertel nach zwoelf und es musste “nurnoch” sauber gemacht werden *g*
Samstag mussten wir schon wieder frueh raus - wieder um neun, doch so langsam wurde mir klar, weshalb bei diesem Job neun Uhr morgens frueh is.
Des Captains Sohn Bo (Dreadlocks) holte Leonie und mich ab und brachte uns zur Farm, wo sein UTE (Aussie-Bezeichnung fuer Pick-Ups) mit dem Kennzeichen “Sideshow” rumstand ![]()
Nun gut - rein in die frisch umgebaute Scheune zur Premiere, weshalb es auch nur acht Schafe waren, die die naechsten Naechte wohl frierend verbrachten.
Abends ging es dann wiederum an die Arbeit und heute war ein spezieller Tag: die zweite Mannschaft der lokalen Hockeymaedels hatte die Meisterschaft in ihrer Liga gewonnen und entsprechend in Feierlaune kamen sie im Pub an. Einige Bier, aber besonders die Vodkamischgetraenke fanden reissenden Absatz und wie es so laeuft fingen irgendwann auch ein paar Jungs mit den Mischgetraenken an - allen voran Mitch, der jedoch auch schon einige Bier intus hatte. Im spaeteren Verlauf des Abends glaubte Mitch dann sich mit sechs halbstarken Aboriginaljungs auf einmal anlegen zu muessen, durch die Gegend schubsen, mit erhobenen Stuehlen drohen - doofe Idee. Also den Kerlen die Stuehle abgenommen, Mitch sachte aus der Tuer befoerdert und den Jungs noch nen Drink angeboten. Dummerweise waren die eher drauf aus Mitch zur Rede zu stellen - ich hinterher. Mitch zeigte sich dann gluecklicherweise so einsichtig, wie ein ueber alle Massen Besoffener es eben sein kann und am Ende zogen alle gemeinsam von dannen. Als wir das Pub nach den abschliessenden Arbeiten verliessen hoerten wir die Sirenen der Polizei und wunderten uns, ob das wohl mit der Party zu tun hatte, die noch im Gange war.
Am naechsten Tag erfuhr ich jedoch, dass Mitch, der IN Kondinin lebt, unbedingt noch mit seinem UTE durch die Gegend fahren wollte. Das fandt die Polizei wenig amuesant und verfolgte ihn. In der Naehe des Footballfeldes stellte Mitch dann wohl den Wagen unfreiwillig im Graben ab und versuchte zu Fuss zu entkommen, weshalb sich die Polizei genoetigt sah ihren neuen Taser auszuprobieren. Dummerweise das zweite mal “driving under the influence”, weshalb der Fuehrerschein fuer mindestens neun Monate weg sein duerfte plus einer gehoerigen Strafe. Ein gelungener Absturz!
Auch Sonntag war wieder fruehes aufstehen angesagt, denn die erste Mannschaft des Football (Footy) Clubs von Kondinin (KKFC) um den Einzug ins Grand Final. Sid holte Holly und mich um halb elf ab und es ging in den naechsten Ort zu den Spielen. Das erste Spiel war zur Einstimmung (und erlernen der Regeln - Teams spielten keine Rolle) und im zweiten Spiel ging es dann um’s Finale und das erreichte Kondinin auch ueberaus ungefaehrdet. Das erste Goal konnten zwar Hyden erzielen, insgesamt endete das Spiel jedoch mit 20 goals Unterschied. 1 goal (Treffer zwischen den inneren beiden hohen Pfosten) sind 6 Punkte, 1 point (zwischen einem hohen und einem aeusseren, niedrigeren Pfosten) gibt, Ueberraschung, 1 Punkt. Insgesamt gewann Kondinin mit 155:49! 6 Goals Unterschied sind normalerweise bereits ein deutlicher Sieg, das hier war eine Klatsche und Spannung kam nicht wirklich auf, aber wen interessiert das schon, wenn das eigene Team gewinnt ![]()
Mit Darren ging es danach erstmal in die Kabine, wo wir uns die Rede des Coaches anhoeren durften und danach noch ein Bier abbekamen, bevor es weiter nach Kulin ging, der Ort mit dem Kondinin eine Spielgemeinschaft bildet, denn hier sollte heute gefeiert werden, doch Stimmung kam nicht wirklich auf und so waren wir auch schon um acht zurueck in Kondinin. Darren meinte, dass eigentlich niemand das Kulin Hotel wirklich moege (was mir auch so vorkam) und wir verbrachten den restlichen Abend lieber im schoenen Kondinin mit noch mehr erzaehlen was ich tue und Geschichten aus der Gegend.
Montag ging es, mal wieder, frueh raus. Margi wollte mit uns nach Kulin, um uns den Tin Horse Highway zu zeigen, doch weil sie leider zu beschaeftigt war drueckte sie mir einfach den Schluessel in die Hand - ok! Tin Horse Highway? Ja, hab ich mich auch erstmal gefragt. In Kulin (Nachbarort - 30km von Kondinin) findet jedes Jahr ein Bush Race statt, ein Pferderennen im Bush (ein Wochenende mit campen und Konzert) und die Farmer entlang zweier nach Kulin fuehrender Strassen konkurrieren darum, welche Strasse schoener dekoriert ist. Dekoriert wird mit “Pferden” aus Altmetall und es sind wirklich kuriose Kunstwerke darunter - aus dem Lachen kommt man kaum raus.
Zurueck in Kondinin machte ich mich dann noch etwas nuetzlich (das Feuerholz fuer unser Haeuschen musste in einen Schuppen), bevor wir von Sid abgeholt wurden, um uns seine Farm anzuschauen und am Computer ein paar Bilder fuer Leonie und Holly zu kopieren.
Seit ich hier bin habe ich ja nun schon ein paar “Pet-sheep” kennen gelernt, doch Tawn schlaegt alles. Die anderen hielten sich fuer eine Mischung aus Schaf und Hund, doch Tawn haelt sich fuer einen Menschen, rennt Autos hinterher statt davor davon, rennt andere Schafe ueber den Haufen und haelt sich, wann immer moeglich, bei Menschen auf und laesst einen durchaus wissen, wenn er sich vernachlaessigt fuehlt - kraulen ist Pflicht - unglaublich und nach den Tagen auf den Schaffarmen haette ich es eigentlich nicht fuer moeglich gehalten, dass ich ein Schaf freiwillig streicheln wuerde, aber Tawn waere vermutlich auch beleidigt, wenn ich ihn mit anderen Schafen auf eine Stufe stellte ![]()
Abends brach dann auch schon meine letzte, ueberaus ruhige Schicht an, leider, denn ich hatte wirklich Spass und die Tage vergingen wie im Flug.
Mit Margi, Darren, Holly und Leonie haette ich auch gerne noch laenger zusammen gearbeitet (obwohl sie ja eigentlich nur Maedels einstellen - als ich das Buegeleisen in die Hand nahm war Ausnahmezustand angesagt), aber heute ging es dann schon wieder zurueck nach Perth (vier Stunden im Bus), um morgen frueh die naechste Station anzulaufen - ein Table Grape Vineyard wartet auf mich und ich kann nur hoffen, dass es nicht regnet, denn die Arbeit wird samt und sonders draussen stattfinden.


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